Gute Stories gibt es viele. Wirklich starke Teams eher selten. Studien zeigen, dass über die Hälfte aller Startups nicht am Produkt scheitern, sondern an Konflikten im Gründerteam oder mangelnder Führung.
Im Gespräch mit dem Investment Experten David Wevers geht es genau darum: Welche Signale professionelle Investor:innen ernst nehmen, wenn spannende Startups noch ganz am Anfang stehen. Oft sind es vermeintliche Details, die aus einem vielversprechenden Investment ein klares No Go machen.
Hier teilt David seine wichtigsten Insights mit Creators, die in Startups investieren möchten und wissen müssen, worauf es ankommt, damit sie mit ihrer Reichweite und ihrer Glaubwürdigkeit auf das richtige Pferd setzen.
1. Welche Signale zeigen dir, dass ein Startup solide geführt ist und nicht nur eine gute Story erzählt?
Als Startup-Investor investiere ich langfristig Zeit und Kapital mit der klaren Erwartung, dass sich einzelne Investments über (Teil-)Exits vervielfachen und damit Verluste im Portfolio überkompensieren. „Solide geführt“ ist dafür keine ausreichende Kategorie. Entscheidend sind Signale, die auf ein außergewöhnliches Team hindeuten. Gerade in frühen Phasen fehlen häufig belastbare Finanzdaten. Umso wichtiger sind qualitative Signale: Ein starkes Gründerteam zeichnet sich nicht dadurch aus, aktuelle Markt-Narrative gut zu erzählen, sondern dadurch, Organisationen aufzubauen, Menschen zu führen, schnell zu lernen und eine klare, langfristige Vision für Produkt und Markt zu verfolgen. Ich suche nach Missionaries statt Mercenaries. Es geht nicht darum, gute von weniger guten Teams zu unterscheiden, sondern die wenigen außergewöhnlichen zu identifizieren – Teams, die auch dann performen, wenn sich Marktbedingungen, Storylines oder Finanzierungsumfelder ändern.
2. Welche Fragen stellst du Gründerinnen, um herauszufinden, ob sie ihre Zahlen im Griff haben?
Das hängt stark vom Geschäftsmodell, der Unternehmensphase sowie von Fundraising-Strategie und Kapitalmarktzugang ab. Entscheidend ist weniger die perfekte Detailtiefe als die Klarheit darüber, welche Kennzahlen das Unternehmen tatsächlich steuern. Ich frage Gründerinnen gezielt: Welche drei bis fünf Kennzahlen sind aktuell entscheidungsrelevant? Warum genau diese? Wie verändern sich diese Kennzahlen durch operative Entscheidungen? Welche Annahmen liegen den Forecasts zugrunde? Starke Gründer*innen können diese Zahlen nicht nur benennen, sondern auch konsistent erklären, priorisieren und kontextualisieren – und sie können klar kommunizieren, wo Unsicherheiten liegen.
3. Wenn du selbst Creator wärst: Welche Red Flags würden dich sofort vom Investment abhalten?
Für mich wäre zentral, dass ich mir eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und dem Produkt vorstellen kann – sowohl operativ als auch auf Gesellschafterebene. Red Flags wären daher: Produkte oder Geschäftsmodelle, die ich nicht authentisch vertreten kann Werte- oder Haltungsdifferenzen im Umgang mit Kund*innen, Partnern oder Mitarbeitenden Intransparente Kommunikation oder defensive Reaktionen auf kritische Fragen Als Creator Investor ist Glaubwürdigkeit ein zentrales Asset. Wenn diese nicht gegeben ist, ist ein Investment – unabhängig von kurzfristigem Upside – nicht sinnvoll.
4. Welche finanziellen Kennzahlen oder Muster fallen dir in frühen Phasen sofort positiv auf, weil sie zeigen, dass ein Team seine Unit Economics wirklich verstanden hat?
Positiv ist nicht eine bestimmte Kennzahl an sich, sondern Kohärenz: Die Unit Economics müssen zum Geschäftsmodell, zur Fundraising-Realität und zur angestrebten Exit-Strategie passen. Ich achte insbesondere darauf: Ob Marketing-Spend, CAC und Kapitaldeckung realistisch aufeinander abgestimmt sind Ob das Team bewusst zwischen schnellem, kapitalintensivem Wachstum und organischem Wachstum entscheidet Ob Wiederkaufsraten, Retention und Payback-Zeiten das gewählte Wachstumstempo überhaupt tragen Sehr stark ist es, wenn Teams schnell lernen: Hypothesen testen, Learnings konsequent umsetzen und anschließend messbare Verbesserungen der Unit Economics erzielen. Gute Gründer*innen wissen zudem genau, welche Kennzahlen tatsächlich auf den Unternehmenswert einzahlen – etwa über Flywheel-Effekte oder Skalierungshebel – und können erklären, warum.
5. Wenn du ein Startup bewertest: Welche kleinen Details im Datenraum oder Pitch Deck haben aus deiner Erfahrung überproportional viel Aussagekraft?
Zwei oft unterschätzte Punkte sind für mich besonders aussagekräftig: Erstens: die Entwicklung der Cap Table. Sie zeigt, wie vorausschauend das Team gedacht hat, wie fair frühere Runden strukturiert wurden und ob zukünftige Finanzierungen realistisch möglich sind. Zweitens: Indikatoren für Mitarbeiterzufriedenheit. Das können Fluktuationsraten, Vesting-Strukturen, ESOP-Ausgestaltung oder auch qualitative Hinweise aus Gesprächen sein. Talente bleiben nur dort, wo Führung, Kultur und Perspektive stimmen – und genau das ist langfristig wertentscheidend.
6. Wenn du das Team zum ersten Mal triffst: Welche Fragen stellst du, um herauszufinden, ob die Gründerinnen später professionell mit Investorinnen und potenziellen Käuferinnen arbeiten?
Ich stelle bewusst offene Fragen: Was ist eure langfristige Vision für das Unternehmen? Warum habt ihr genau dieses Unternehmen gegründet? Welche relevanten Markterfahrungen bringt ihr mit? Wie trefft ihr heute strategische Entscheidungen? Mindestens genauso wichtig wie die Antworten ist die Art der Kommunikation: Klarheit, Reflexionsfähigkeit, Umgang mit Feedback und die Qualität der Interaktion mit allen Beteiligten. Diese Faktoren sind starke Indikatoren dafür, wie professionell die Zusammenarbeit mit Investorinnen – und später auch mit Käuferinnen – sein wird.
7. Viele Startups scheitern nicht am Produkt, sondern am Team. Welche Warnsignale im Zusammenspiel der Gründerinnen sollten Creator Investorinnen besonders ernst nehmen?
Zentrale Warnsignale sind: Fehlende gegenseitige Wertschätzung oder unterschwellige Konflikte Eine auffällig hohe Zahl an ausgeschiedenen Mitarbeitenden oder Co-Gründer*innen Unklare oder schlecht abgegrenzte Verantwortlichkeiten im Führungsteam Ungleich verteilte Kompetenzen ohne gegenseitige Ergänzung Hinzu kommt ein oft unterschätzter Punkt: Gründer*innen müssen mit ihrem Unternehmen schnell wachsen – fachlich, persönlich und in ihren Führungsfähigkeiten. Bei Erfolg verändern sich Anforderungen und Dynamiken in kurzer Zeit massiv. Nicht jedes Gründungsteam kommt mit diesen Veränderungen gut zurecht. Gesellschafter sollten diese Entwicklung aufmerksam begleiten und konstruktiv unterstützen – aber sie sollten Warnsignale ernst nehmen, wenn Anpassungsfähigkeit, Lernbereitschaft oder Teamdynamik dauerhaft nicht mitwachsen.
Zu David Wevers:
David Wevers ist Venture Capital Experte, Investor und Board Member und begleitet wachstumsstarke Consumer Tech Unternehmen von der frühen Phase bis zur Skalierung. Als Beirat von NextGen Innovators bringt er seine Erfahrung in Teamaufbau, Operations und skalierbarem Wachstum ein.


