Creator investieren heute mehr als Sichtbarkeit. Sie investieren Haltung, Glaubwürdigkeit und den direkten Draht zu ihrer Community.
Im Interview spricht Creator Robin Blase darüber, was Startups leisten müssen, damit sich Creator wirklich als Teil der Story fühlen, wo klare Dealbreaker liegen und warum Transparenz, Mitgestaltung und echtes Gehörtwerden die Basis jeder langfristigen Partnerschaft sind.
1. Was muss ein Startup dir geben, damit du dich als Creator wirklich als Teil der Story fühlst und nicht nur als Content-Lieferant?
Ich glaube, was dafür wirklich wichtig ist, ist, dass ich echten Input geben kann. Wenn ich nach außen trete, möchte ich nicht nur das Gesicht sein, mit dem geworben wird, sondern wirklich hinter dem Produkt stehen können. Das bedeutet, dass ich Feedback von meiner Community und mein eigenes Feedback einbringen kann und dass dieses Feedback auch ernst genommen wird. Es geht mir darum, nicht am Ende nur mein Gesicht für ein Produkt herzugeben und dann festzustellen, dass es vielleicht nicht hält, was es verspricht. Ich möchte wirklich zu 100 Prozent dahinter stehen und auch die Stimme meiner Community ins Unternehmen zurückspiegeln können. Das ist mir sehr wichtig.
2. Welche Rahmenbedingungen brauchst du, um authentisch über ein Investment sprechen zu können und gleichzeitig Wirkung zu erzeugen?
Ich glaube, für diese Authentizität braucht es wirklich eine Verbindung zwischen mir, dem Produkt und der Community. Ich muss dahinter stehen und denken: Hey, das hat Zukunft – sowohl als Investment als auch als Produkt. Ich möchte wirklich überzeugt davon sein, dass ich es selbst nutzen würde und dass meine Community es auch gerne nutzt. Dann kann ich wirklich mit Überzeugung darüber sprechen.
3. Wenn du in ein Startup investierst, welche Art von Einblicken, Zahlen und Updates helfen dir, Content und Investment sinnvoll zu verbinden und dein Engagement zu hebeln?
Also, ich sehe mich da wirklich als Investor, der vollen Einblick in Zahlen und Updates braucht. Es gab ja gerade einen Fall, wo ein Influencer sich im Nachhinein distanzieren musste, weil er operativ gar nicht mehr eingebunden war. Genau das möchte ich vermeiden. Ich will immer wissen, was vor sich geht, damit ich meine Marke schützen kann und wirklich hinter dem Investment stehen kann. So kann ich meinen Content authentisch mit dem Investment verknüpfen und guten Gewissens sagen: Ich glaube wirklich daran.
4. Was sind für dich die größten Dealbreaker, wenn es um die Zusammenarbeit mit Startups geht, die Creator als Investorinnen einbinden wollen?
Der größte Dealbreaker ist, wenn das Produkt nicht hält, was es mir verspricht. Ich muss wirklich daran glauben. Zweitens muss es auch als Investment funktionieren, also eine gewisse Due Diligence ist nötig, auch wenn ich kein absoluter Experte bin. Und drittens muss das Startup verstehen, dass ich nicht nur eine neue Form von Marketing bin, sondern dass es eine echte Partnerschaft ist. Wenn ich als Investor einsteige und das Teil des Storytellings wird, darf es nicht einfach nur heißen: „Du kriegst jetzt einen Prozentpunkt, statt dass wir dich bezahlen.“ Es muss wirklich eine wechselseitige Beziehung sein.
5. Welche Signale zeigen dir, dass ein Startup zu deiner Haltung und zu deiner Community passt und kein Risiko für deine Glaubwürdigkeit ist?
Das wichtigste Signal ist, dass ich das Produkt selbst richtig gut finde. Der Content, den ich mache, ist ja letztlich etwas, das ich mir zuerst anschaue und woran ich selbst Spaß haben muss. Wenn ich wirklich dahinterstehe und es cool finde, dann weiß ich, dass es auch zu meiner Community passt, weil sie ähnliche Dinge mögen wie ich. Gleichzeitig müssen natürlich auch die Werte stimmen. Das Startup sollte meine Marke, meinen Humor und meine Inhalte verstehen, damit es wirklich passt.
6. Wenn ein Start-up möchte, dass du langfristig an Bord bleibst, welche Form von Wertschätzung oder Einbindung ist für dich stärker als reine finanzielle Beteiligung?
Für mich ist es wirklich am allerwichtigsten, gehört zu werden. Der Input – insbesondere das Feedback aus der Community – muss ernst genommen werden. Es soll sich nicht anfühlen wie reines externes Marketing, sondern wie eine echte Ressource, die genutzt wird, um dieses Feedback auch tatsächlich zu integrieren. Diese Form der Einbindung ist für mich wichtiger als eine rein finanzielle Beteiligung.
7. Creator investieren nicht nur Reichweite, sondern auch Reputation. Welche Schritte eines Start-ups geben dir das Vertrauen, dass sie verantwortungsvoll mit deinem Namen und deiner Community umgehen?
Ich glaube, hier ist es extrem wichtig, Einblick in Entscheidungen, Prozesse und Finanzen zu haben – ähnlich wie bei anderen Investoren auch. Dazu gehören regelmäßige Updates, zum Beispiel quartalsweise, und die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, die dann auch ernsthaft beantwortet werden. Vertrauen entsteht für mich auch dann, wenn Feedback aus der Community schnell und verantwortungsvoll aufgegriffen wird, etwa wenn es Probleme mit einem Produkt oder einer Lieferung gibt. Dann habe ich das Gefühl, dass verantwortungsvoll mit meinem Namen und meiner Community umgegangen wird.
Über Robin Blase
Robin Blase ist Creator und Geschäftsführer der Richtig Cool GmbH und eine prägende Stimme der deutschen Creator Szene. Er verbindet Content, Unternehmertum und Community Building und bringt als Beirat von NextGen Innovators die Perspektive von Creators als Investor:innen in den strategischen Aufbau des Modells ein.
Foto: © VideoDays Festival | Simon Hinger, DJ Bryanlive


